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Moral Hazard bezeichnet den Anreiz, größere Risiken zu tragen, wenn die Folgen andere tragen. Das Problem entsteht durch getrennte Haftung und begrenztes Wissen des Versicherers.

Siehe auch:
Public Choice , Rent-Seeking , Wohlfahrtsstaat , Zentralbank

Moral Hazard, auch moralisches Risiko genannt, stammt aus der Versicherungswirtschaft des 19. Jahrhunderts. Wer gegen einen Schaden versichert ist, achtet weniger auf dessen Vermeidung, weil die Kosten nicht mehr ihn treffen. Der Versicherer kann das Verhalten nach Vertragsschluss kaum beobachten und sieht nur den Schadensfall. Das macht aus einer Beobachtung ein Problem der Ordnung: Wer die Folgen einer Entscheidung nicht trägt, entscheidet anders.

Am deutlichsten zeigt sich das im Finanzsystem. Einlagensicherung und Rettungspakete, etwa in den Bankenkrisen ab 2008, sollen Sparer schützen und Paniken verhindern. Zugleich entstehen Anreize, größere Risiken einzugehen, weil Gewinne beim Institut bleiben und Verluste bei der Allgemeinheit landen. Ähnlich wirkt die Erwartung, eine Zentralbank werde im Ernstfall einspringen.

In der Sozialversicherung und in der Politik wiederholt sich das Muster. Absicherung verringert den Anreiz zur Vorsorge, und wer über fremde Mittel entscheidet, trägt die Kosten seiner Entscheidungen nicht selbst. Die Neue Politische Ökonomie beschreibt solche Anreize mit dem Instrumentarium der Prinzipal-Agent-Theorie.

Befürworter kollektiver Sicherung halten entgegen, dass Versicherung viele Risiken überhaupt erst tragbar macht, dass ohne sie große Teile der Bevölkerung unversorgt blieben und dass Selbstbeteiligungen und Aufsichtsregeln die Fehlanreize begrenzen können. Der Einwand lässt sich mit den Mitteln der Anreizgestaltung aufnehmen: Selbstbeteiligung, Vertragsfreiheit, klare Haftung. Wer Moral Hazard begrenzen will, muss die Haftung dorthin zurückgeben, wo entschieden wird.

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